Pressemitteilung vom 04.11.2013

Pressemitteilung des Bündnis „NS Verherrlichung stoppen! „Nazis in Remagen entgegentreten“, 04.11.2013

Kampagne gegen Geschichtsrevisionismus und gegen den Naziaufmarsch am 23.November in Remagen gegründet +++ Breite Unterstützung und Mobilisierung +++ Inhaltliche Veranstaltungen und Demonstration geplant

Im Spätsommer diesen Jahres initiierten mehre antifaschistische Gruppen aus Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen die Kampagne NS Verherrlichung stoppen. Ziel er Kampagne ist eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex der deutschen Erinnerungspolitik/-kultur und lokalen Erinnerungsdiskursen. Anlass hierfür ist der im fünften Jahr in Folge stattfindende sogenannte „Trauermarsch“ der Neonaziszene. Auch dieses Jahr federführend sind (Ex-)Mitglieder des verbotenen Aktionsbüro Mittelrhein und der neonazistischen Kleinstpartei Die Rechte. Die Jahre zuvor gab es nur zurückhaltenden Protest gegen diesen Aufmarsch, die Neonazis konnten relativ ungestört ein, für ihre Szene wichtiges, „Event“ etablieren. Diese Szeneevents besitzen eine nicht zu unterschätzende identitätsstiftende und szenestärkende Funktion für die Neonazis.

Kritik an Geschichtsverdrehung
Der Geschichtsrevisionismus der neuen und alten Nazis in Remagen verdreht die alliierten Gefangenensammelstellen zu geplanten „Todeslagern“ und relativiert und verhöhnt somit ganz bewusst die deutschen Untaten im Nationalsozialismus, insbesondere die deutschen Arbeits- und Vernichtungslager. Neben dieser NS-Verherrlichung der Naziszene, gibt es in Remagen aber auch bis weit ins bürgerliche Spektrum hinein verankerte Opfermythen über die deutschen Kriegsgefangenen auf den Rheinwiesen. Hier sei der teilweise unkritische Bezug auf den NS-Künstler Adolf Wamper genannt, welcher die Figur „Schwarze Madonna“ schuf. Diese Figur ist heute ein zentrales Moment im lokalen Erinnerungsdiskurs. Aber auch die Inschrift in der Friedenskapelle verdeutlicht ein unreflektiertes und dadurch relativierendes Geschichtsverständnis. Dort ist in Bezug auf die Rheinwiesenlager auf einer Gedenktafel zu lesen: „[…] Diese Gedenkstätte soll an das Schreckenslager erinnern[…]“. Die Intention ist deutlich: Deutsches Leid wird aus dem Kontext gerissen und über den Begriff „Schreckenslager“ auf die gleiche Ebene gehoben, wie die Vernichtung durch Arbeit in deutschen Konzentrationslagern und die industrielle Ermordung von sechs Millionen Menschen. Einen Verweis auf dieses Jahrtausendverbrechen sucht der Leser allerdings auf dieser Gedenktafel vergebens.

Zu diesem Thema sind mehre Veranstaltungen z.B. in Koblenz, Trier, Wuppertal und Bonn geplant. In Remagen wird am 17. November in der Kulturwerkstatt eine Zeitzeugenveranstaltung mit dem Antifaschisten und Widerstandskämpfer Lorenz Knorr stattfinden.

Eigene Bündnis-Demonstration am 23. November
Am 23. November, dem Tag des Naziaufmarsches, will das Bündnis eine eigene Demonstration durchführen um genannte Kritik in die Öffentlichkeit zutragen. Darüber hinaus geht es uns an diesem Tag aber auch darum, den Nazis den öffentlichen Raum streitig zu machen und diesen mit antifaschistischen Positionen zu besetzen. Dies kann unserer Meinung nicht weit abseits der Nazis gelingen, wir wollen unsere Kritik dahin bringen, wo die Nazis ihren Geschichtsrevisionismus und ihre unerträgliche Verhöhnung der Opfer des deutschen Nationalsozialismus zelebrieren.
Die Demonstration erfährt mittlerweile eine unerwartet breite Solidarität und Unterstützung. Über 50 Vereine, Organisationen und Parteien, sowie um die 30 Einzelpersonen aus regionaler und bundesweiter Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft unterstützen schon jetzt die Bündnisdemonstration. Dabei bietet sich ein buntes Bild: Parteien wie Die Linke und die Grünen, sowie Parteijugendorganisationen oder Gewerkschaftsjugend, bis hin zu Antifagruppen, wollen an diesem Tag gemeinsam und solidarisch auf die Straße gehen und ein Zeichen gegen Nazis und gegen Geschichtsverdrehung setzen.

Bündnis „NS Verherrlichung stoppen! Nazis in Remagen entgegentreten“